Eine neue Perspektive auf das Teilen des Evangeliums

Neue und wachsende Jüngerinnen und Jünger begegnen häufig einer bekannten Einstellung. Diese Einstellung, die von christlichen Leitern durch die Kirchengeschichte hindurch impliziert wurde, besagt, dass Gläubige sich nicht in säkularen Bereichen engagieren sollten — insbesondere nicht in jenen, die Kultur erschaffen, wie Kunst, Musik, Unterhaltung, Politik oder Wirtschaft. Die unausgesprochene Botschaft lautet: Gott möchte nicht, dass wir an den entscheidenden Bereichen der Kultur mitwirken, sondern nur in „heiligen“ Bereichen das Evangelium verwalten. Diese Sicht legt nahe — stillschweigend und manchmal ausdrücklich — dass Gott nur an der formalen Verkündigung seiner Botschaft an eine gebrochene Welt interessiert ist, von der wir uns dann zurückziehen sollen. Dabei wird kaum verstanden, dass Gott die Fähigkeit hat, einen Tisch mit den Köstlichkeiten der Freude und des Wohlgefallens im Angesicht vermeintlicher Feinde zu bereiten.
Obwohl diese Einstellung gute Absichten hat — nämlich die Gläubigen vor möglichen Gefahren im Umfeld zu schützen, die als Bedrohung wahrgenommen werden könnten —, ist sie nicht biblisch fundiert. Die Bibel ruft uns dazu auf, Kulturlandschaften zu bebauen und Kultur zu gestalten. Von Anfang an rief Gott Adam und Eva dazu, eine Gesellschaft zu entwickeln, die Ordnung, Segen und Nahrung für alle bringen würde. Die Arbeit, eine schöne, Gott ehrende (und die Menschheit ehrende) Kultur zu schaffen, ist ein grundlegender Auftrag des Christentums — völlig unabhängig davon, in welchem Bereich diese Arbeit stattfindet.
Damit dieser umfassende Kulturauftrag Wirklichkeit werden kann, müssen wir unser Verständnis der Botschaft Christi erweitern und erkennen, dass sie auch die Erneuerung und Wiederherstellung von Kultur umfasst. Das kann bedeuten, Arbeiterinnen und Arbeiter in Gemeinschaften zu senden, in denen es für Leitung, Förderer oder andere Partner unangenehm sein könnte.
Was fällt dir ein, wenn du die drei Worte „das Evangelium teilen“ hörst? Viele von uns kommen schnell zu dem Schluss, dass dies hauptsächlich eine intellektuelle Botschaft ist, die verbal verkündet wird, und übersehen dabei die kulturellen und praktischen Auswirkungen. So entsteht leicht die Auffassung, dass jede Form der Weitergabe des Evangeliums, die über einen rein intellektuellen Austausch hinausgeht, nicht zum Auftrag christlichen Zeugnisses gehört.
Aufgrund dieser falschen Schlussfolgerung vernachlässigen wir oft Aspekte der Weitergabe des Evangeliums, die sich in unserer Lebensstil, in gelebten Ausdrucksformen des Glaubens und in dienenden Taten zeigen. Dadurch verpassen wir, wie das Evangelium die Kultur um uns herum beeinflussen kann,und erleben nicht die Transformation, die wir uns von unserer Botschaft erhoffen.
Wenn wir übersehen, dass das Evangelium teilen mehr ist, als eine intellektuelle Botschaft, dann verpassen wir den Auftrag der Grossen Kommission — mit Christus zusammen zu wirken und seine Liebe, sein Mitgefühl und seine Zuneigung zum Vater weiterzugeben.
Eine intellektuelle Botschaft ist nicht die Fülle der guten Nachricht.
Die gute Nachricht findet ihre Fülle, wenn sie den Menschen in seiner Ganzheit anspricht.
Ich bin kein Christ, indem ich einfach intellektuell einer Idee zustimme, dass Jesus sündlos gelebt, gestorben und auferstanden ist. Obwohl ich diese Kernüberzeugungen glaube, bin ich Nachfolger von Jesus, weil ich seine Vergebung in meinem Körper und tief in meiner Seele erfahren habe.
Oft wird im westlichen Christentum davon ausgegangen, dass die Weitergabe des Evangeliums ihr Ziel erreicht hat, wenn die Botschaft verkündet, ein Gebet gesprochen wurde und jemand dieser Botschaft zustimmt. Nicht selten gilt dies als maßgebliches Kriterium dafür, als „wiedergeboren“ zu gelten.
Doch um Zeuge der verwandelnden Kraft Christi in Europa zu sein, müssen wir unser ganzes Leben teilen – einen Lebensstil, der ganz von der Guten Nachricht geprägt ist. Nicht nur unser Denken wird verändert, sondern auch unsere Gewohnheiten, unsere Lebensgestaltung und unser Handeln richten sich immer mehr auf die Gemeinschaft mit Jesus aus. Gott möchte die Kultur unseres Herzens und unseren Lebensstil erlösen und erneuern, damit sie seine Vollkommenheit widerspiegeln.

Das Evangelium ist ein Programm zur Transformation des ganzen Lebens, nicht eine Liste intellektueller Lehrsätze. Es geht darum, die Schönheit Christi auf Erden zu entfalten und die Freude eines Lebens in bleibender Gemeinschaft mit ihm sichtbar zu machen. Wie würde ein solches Leben auf Menschen wirken, die in einer verletzten und zerbrochenen Kultur nach wahrer Schönheit suchen?
In ganz Europa teilen Mitarbeitende von Greater Europe Mission ihr verwandeltes Leben mit anderen. Unsere Mission handelt von lebendiger Transformation und der ganzheitlichen Arbeit Christi an Leib und Seele sowie an unserer Kultur. Wenn der Himmel auf die Erde käme, was würde der Himmel umfassen? Würde er nur unseren Verstand betreffen oder alle Lebensbereiche der Kultur, alle Arbeitsformen und alle Aspekte unserer Menschlichkeit?
Übersetz von Lizzie Modrow, aus den Artikeln „A Different Way to Think About “Sharing the Gospel”, [Link: https://gemission.org/a-different-way-to-think-about-sharing-the-gospel/].
