Was es braucht, um Jünger zu machen.

Jünger zu machen ist ein bekanntes christliches Konzept, das bereits Tausende von Büchern und Artikeln inspiriert hat. Es war der erste Schritt Jesu, als er seinen Dienst begann. Bevor er die Welt veränderte, wählte Jesus zunächst ein Team von Nachfolgern aus, um sie zu lehren und zu begleiten.

Wenn das Jüngermachen ein wesentlicher Schritt im Dienst Christi war, dann muss es auch ein wesentlicher Schritt in jedem Dienst sein. Jüngerschaft verdient unsere ganze Sorgfalt – daher sollten wir daran streben, gut darin zu werden.

Es gibt keine einheitliche Formel, um Jünger zu machen, aber ich glaube, dass es mindestens drei Dinge braucht: Verbindlichkeit, Authentizität und Zielgerichtetheit.

In einem kürzlich durchgeführten Webinar habe ich diese drei Eigenschaften mit meinen Kolleginnen und Kollegen bei Greater Europe Mission geteilt. Ich bin davon überzeugt, dass, wenn wir diese Eigenschaften verkörpern und praktizieren, wir alles haben, was es braucht, um Jünger zu machen.

1. Verbindlichkeit

In Johannes 17 betet Jesus für seinen Dienst und für seine Jünger. Immer wieder erwähnt er, dass die Jünger noch Teil der Welt sind (Johannes 17,11.15.18). Warum? Weil Jesus weiß, dass er sie mit der Verantwortung zurücklassen wird, sein Werk fortzuführen, damit andere glauben (V. 20). Kurz darauf wird Jesus gekreuzigt, auferweckt und fährt schließlich in den Himmel auf. Vor seiner Himmelfahrt übergibt er den Jüngern das, was wir heute den Missionsbefehl nennen.

Einer der klarsten Aufträge lautet:

„Darum geht hin und lehret alle Völker: Taufet sie auf den Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes, und lehret sie halten alles, was ich euch befohlen habe.“ (Matthäus 28,18–20)

Die Jünger hätten diesen letzten Auftrag als Aufforderung verstanden, dem Beispiel Jesu zu folgen. So wie Christus die Zwölf gelehrt und begleitet hatte, sollten sie nun alle Völker lehren und begleiten.

Der Missionsbefehl gilt als ein ewiger Auftrag – das heißt, er richtet sich an alle Christinnen und Christen, überall und zu jeder Zeit. Gehorsam gegenüber ewigen Geboten ist keine Option, sondern ein wesentlicher Teil dessen, was es heißt, Christ zu sein. Es ist etwas, dem wir uns verpflichten müssen.

Verbindlichkeit ist ein standhaftes Versprechen – eine tief verwurzelte Weigerung, aufzugeben. Sich der Jüngerschaft zu verpflichten bedeutet, mit den Herausforderungen und Enttäuschungen umzugehen, die das Jüngermachen mit sich bringt. Diese gehorsame Hingabe ermöglicht es uns, Rückschläge zu überstehen und weiterzugehen, selbst wenn Logik und Vernunft uns raten würden, aufzugeben.

Ich bin mehrmals gescheitert, jemanden zu Christus zu führen. Junge Männer, mit denen ich eine Freundschaft geschlossen hatte, haben manchmal plötzlich den Kontakt abgebrochen – aus den unterschiedlichsten Gründen. Ich musste akzeptieren, dass das Scheitern, jemanden zu Christus zu führen, Teil der Aufgabe ist. Ich kann niemanden zum Glauben zwingen.

Ebenso wirst du vielleicht den Einfluss deiner Arbeit zu Lebzeiten nie sehen. Sicherlich hätten die zwölf Jünger nie gedacht, dass ihre Werke zu einer weltweiten Bewegung führen würden. Aber Jünger zu machen bedeutet, auf den Ruf zu antworten und ihn mit ganzer Kraft anzunehmen. Wir bleiben in den Rückschlägen treu, weil es das ist, wozu wir berufen sind.

2. Authentizität

Die zweite Eigenschaft, die es braucht, um Jünger zu machen, ist Authentizität. Damit meine ich ganz einfach: echt mit Menschen zu sein. Jünger zu machen ist ein Lebensstil. Er kommt aus dem Herzen und lässt sich schwer vortäuschen. Wenn du Christus nachahmst, werden Menschen das bemerken – und sie werden dich annehmen.

Menschen schätzen ehrliche Begegnungen und wollen nicht das Gefühl haben, dass man ihnen etwas „verkaufen“ will. Wenn dir die Verlorenen wirklich am Herzen liegen, wird man es sehen – und jene, die offen sind für die Botschaft, werden sich dir zuwenden. Authentizität macht uns geistlich ansteckend.

Authentizität ist nicht nur entscheidend für das Jüngermachen – sie ist auch etwas, das Gott von uns will. Gott interessiert sich mehr für unser Herz als für unsere Opfer:

„Geht aber hin und lernt, was das heißt: »Barmherzigkeit will ich und nicht Opfer.« Ich bin nicht gekommen, Gerechte zu rufen, sondern Sünder.“ (Matthäus 9,13)

Für Nachfolger Jesu sollte Jüngerschaft etwas Echtes, etwas Natürliches sein – etwas, das aus unserer Identität heraus geschieht.

Obwohl ich manchmal daran gescheitert bin, Jünger zu machen, durfte ich auch Menschen begleiten und prägen. Oft waren sie zunächst einfach nur interessiert an dem, was ich zu sagen hatte – warum? Weil ich ihnen mit meinem authentischen Ich begegnet bin.

3. Zielgerichtetheit

Die dritte Eigenschaft des Jüngermachens ist Zielgerichtetheit – das bedeutet, die eigenen Entscheidungen und das eigene Verhalten ständig zu prüfen.

Jede Christin, jeder Christ – und auch jeder Nichtgläubige – ist einzigartig. Das Begleiten einer Person wird nie genauso sein wie das einer anderen. Darum erfordert Jüngerschaft enge, persönliche, fast familiäre Beziehungen. Du musst die Person, die du begleitest, wirklich kennenlernen. Wie Jesus mit den Zwölf müssen Lehrer und Lernende viel Zeit miteinander verbringen.

Das beinhaltet ein gewisses Maß an Verletzlichkeit. Zum Beispiel kann es einem introvertierten Menschen unangenehm sein, um Zeit gebeten zu werden. Andere reagieren vielleicht negativ, wenn man sie ständig nachgeht. Abhängig von ihrer Herkunft, Persönlichkeit oder Kultur könnten manche Zielgerichtetheit als aufdringlich empfinden.

Doch Jesus hat uns nicht aufgetragen, dafür zu sorgen, dass sich jeder wohlfühlt. Genauso wie einige Nachfolger Jesus verließen, werden auch Menschen dich mitten im Jüngerschaftsprozess verlassen. Doch wie wir gelernt haben, ist Scheitern in Ordnung. Man sollte „einfach den Staub von den Füßen schütteln“, daraus lernen, was man lernen kann, und weitergehen.

Auch wenn du es nicht geschafft hast, jemanden zu einem Jünger zu machen, heißt das nicht, dass diese Person für immer verloren ist. Ich bete oft, dass Gott ihr einen anderen Christen begegnen lässt, der dort weitermacht, wo wir aufgehört haben. Wenn sie bereit sind, wird Gott jemanden senden, der das Werk vollendet.

Verbindlichkeit. Authentizität. Zielgerichtetheit.

Das ist bei weitem nicht das ganze Bild des Jüngermachens – aber ich bin überzeugt, dass diese drei Eigenschaften grundlegend sind, um ein Jünger-Macher zu sein. Denk daran: Du bist nicht verantwortlich für den Erfolg der Mission – das ist Gottes Aufgabe. Widme deine Zeit und Energie ihm – und sieh, was er durch dich tut.

Übersetzt von Lizzi Modrow aus: What it Takes to Make Disciples„, GEM International, Link:https://gemission.org/what-it-takes-to-make-disciples/ .